Crystal, Meth in kristalliner Form, Vergrößerung
Bild: Drug Enforcement Administration (USA)

Der Crystal Hype: Sonntagabend-Krimi oder gruselige Realität?

von Julika Mielke, SBB Impuls Leipzig

(01.03.2015) - Crystal taucht in regelmäßigen Abständen immer wieder in den Medien auf. Zuletzt auch in einem aufrüttelnden „Tatort" im Januar (ARD, 25.01.2015). Doch hat die Krimiserie wirklich ein realistisches Bild von Crystal-Konsumenten vermittelt? Wo verläuft die Grenze zwischen Fiktionen und dem tatsächlichen Leben in der Drogenszene?

Betrachtet man die Zahlen, scheinen Sorgen berechtigt: Im Jahr 2013 wurden 2.746 erstauffällige Konsumenten von Crystal registriert. Das ist ein Anstieg von 7% im Vergleich zum Vorjahr. Ebenfalls erhöht haben sich die Sicherstellungsfälle von Methamphetamin. Hier stiegen die Zahlen verglichen mit 2012 um 10% auf 3.847 Fälle .
Die Konsummotive sind vielfältig. Ob gelegentlicher Partykonsum, Missbrauch der Substanz (bspw. zur Leistungssteigerung) oder abhängiges Konsummuster: Der Konsum von Crystal ist in allen gesellschaftlichen Schichten zu finden.

Was die Tatort- Folge gut veranschaulicht: Crystal ist auch die Droge der starken Gegensätze. Der erste Kick macht oftmals Lust auf mehr. Euphorie und grenzenlose Energie sind verlockend. Die psychischen, physischen und sozialen Langzeitfolgen für Intensiv- User können dagegen sehr schwerwiegend und vielfältig sein.

Dabei scheint die Crystal-Problematik nach wie vor ein regionales Phänomen zu sein. Bedingt durch die Liberalisierung der tschechischen Drogenpolitik im Jahr 2010, registriert man vor allem im Grenzgebiet Bayern und Sachsen immer mehr Konsumenten der synthetischen Droge.

So gut wie nicht betrachtet, wurden Hilfsmöglichkeiten für Menschen, die eine Veränderung ihres Konsums anstreben. Mit dem Versuch, es allein schaffen zu wollen, ist es demnach oft nicht getan. Deutschland bietet innerhalb eines gut ausgebauten Suchthilfesystems verschiedenste Möglichkeiten im Rahmen der Beratung, Behandlung und Selbsthilfe an.

In unserer Suchtberatungs- und Behandlungsstelle Impuls in Leipzig ist zum Beispiel schon seit geraumer Zeit ein Anstieg im Klientel der Crystal- Konsumenten zu verzeichnen. 2012 haben Stimulanzien Cannabis als Hauptbetreuungsgrund der Klienten im Bereich der illegalen Drogen abgelöst.

Als ELSA-Beraterin für Sachsen spüre ich die Entwicklung darin, dass sich in der Online-Beratung auch zunehmend besorgte Eltern anmelden, deren Kinder mit Crystal in Kontakt gekommen sind.

Dass Eltern, auch aufgrund der zunehmenden Problematik und der medialen Aufmerksamkeit, verunsichert sind, ist sehr nachvollziehbar. Wichtig zu wissen ist, dass man sich  jederzeit auch als Angehörige Unterstützung holen kann.  Als erste Anlaufstelle empfehle ich neben dem Gang in die Suchtberatungsstelle vor Ort, die ELSA Online- Beratung. Hier können Eltern eine schnelle und professionelle Hilfe auf ihre konkreten Fragen erwarten.

 

Julika Mielke
Dipl. Komm.psych. (FH)
SBB Impuls Leipzig

 

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