Junge vor Computer
Bild: monkeybusinessimages / istockphoto.com

ELSA Blog: Im Netz verloren?

von Julika Mielke, SBB Impuls

(04.02.2016) Als BeraterInnen von ELSA erreichen uns regelmäßig Anfragen von Eltern, die sich um das PC- Spielverhalten ihres Nachwuchses sorgen. Manche Kinder und Jugendliche seien vom Computer oder Smartphone "gar nicht mehr wegzubekommen", "vernachlässigen die Schule und andere Pflichten" und würden "aggressiv und gereizt" werden, wenn der Medienkonsum eingeschränkt oder verboten wird. Dies führt oft zwangsläufig zur Zunahme von Konflikten und schlechter Stimmung innerhalb der Familie und zur emotionalen Belastung aller Beteiligten. 

Auf welche Warnsignale sollten Eltern achten?

Der PC- bzw. Internet- Gebrauch wird bei Kindern und Jugendlichen problematisch, wenn sich durch hohe und regelmäßige Nutzungsfrequenzen zunehmend negative Folgen in der realen Welt ergeben. Beispielsweise berichten Eltern von Verhaltensänderungen ihrer Kinder, wie Leistungsabfall in der Schule, wachsender Interessen- und Motivationslosigkeit für andere Aktivitäten, Vernachlässigung von Hobbys und Freundschaften oder von distanzierteren bzw. stark angespannten Verhalten ihnen gegenüber.

In der Fachsprache spricht man von pathologischer PC- oder Online-Nutzung unter anderem dann, wenn die betreffenden Personen das Ausmaß des Gamen, Chatten oder Surfen nicht mehr kontrollieren können. Das Störungsbild kann zu unterschiedlichen Folgeerscheinungen und Beeinträchtigungen im sozialen, seelischen und körperlichen Bereich führen. Mitunter sind aber auch Probleme in der realen Welt der Grund für die Flucht in die Virtualität.

Wenn die eigene Realität als verunsichernd, unverständlich, leer oder unbefriedigend erlebt wird, ist das Eintauchen in eine verheißungsvolle parallele Welt sehr verlockend. Im Online-Spiel erleben Kinder und Jugendliche das Gefühl von Erfolg, Kontrolle und Sicherheit. Durch die Identifikation mit einer digitalen einflussreichen Rolle erfahren sie darüber hinaus Anerkennung, Selbstwirksamkeit und berechenbare soziale Kontakte innerhalb der Online- Welt.

Eine sichere Umgebung und klare Regeln für die Mediennutzung

Kinder brauchen Struktur und Halt. Dies gilt insbesondere dann, wenn sie in die scheinbar grenzenlose digitale Welt eintauchen. Entsprechende Regeln für die Mediennutzung werden im besten Fall gemeinsam erarbeitet und sollten konsequent in ihrer Einhaltung überprüft werden. Das Ziel sollte sein, einen maßvollen Umgang mit der PC- bzw. Internetnutzung zu erlernen.

Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, welche Bedürfnisse in der Realität der jungen Menschen unbefriedigt bleiben. So ist es wichtig, dass Kinder und Jugendliche positive Anreize und Alternativen zu Computerspielen und Co erleben können. Auch die Erfahrung von Gemeinschaft, Bestätigung und Erfolg im Leben ist von Bedeutung. Zudem ist es wichtig, dass zur übermäßigen Mediennutzung neigende Kinder und Jugendliche verlässliche und stabile Beziehungen zu Erwachsenen haben, in denen sie das Gefühl von Vertrauen, Sicherheit und Kontrolle erleben können und eigene Bedürfnisse Raum und Beachtung finden.

Beratungs- und Informationsangebote

Mittlerweile gibt es vielfältige Informations-, Beratungs- und Behandlungsmöglichkeiten für Menschen, die problematischen oder pathologischen  PC- und Internetgebrauch betreiben sowie für deren Angehörige. Neben der Information auf spezifischen Webseiten (z.B. http://www.computersuchthilfe.info, http://www.klicksafe.de/, http://www.ins-netz-gehen.de/) sowie dem Gang in Sucht- oder Erziehungsberatungsstellen vor Ort, kann insbesondere für besorgte Eltern die Online-Beratung von ELSA jederzeit erster Ansprechpartner sein.

 

mehr zu Computerspielen und Mediennutzung

zu den ELSA Beratungsangeboten